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  • Troye Sivan – FF: Mehr als nackte Haut

    Troye Sivan – FF: Mehr als nackte Haut

    Eben noch als Ritter im Musikvideo zu seinem Song „Party“ unterwegs, zieht es Troye Sivan nun auf Fire Island. Und weil es dort allein offenbar nur halb so schön ist, holt er sich gleich noch einen sexy Co-Star dazu: Felix Mayr.

    Und weil Troye Sivan nun einmal Troye Sivan ist, wird aus einem vermeintlich harmlosen Ausflug ans Meer ziemlich schnell eine ausgesprochen sinnliche Angelegenheit.

    First Look: Sonne, Strand und ziemlich viel Haut

    Ein Strandhaus, Dünen, das Meer und zwei attraktive Männer, die offensichtlich wenig Verwendung für umfangreiche Garderoben haben. Die Zutaten für „FF“ sind überschaubar. Das Ergebnis ist es nicht.

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    Hallo … wer bist du denn?

    Ich gebe es zu: Als Felix Mayr zum ersten Mal im Video auftauchte, galt meine Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment nicht mehr unbedingt Troye Sivan.

    Mein erster Gedanke war nämlich: „Hallo … wer bist du denn?“

    Und als die Identität geklärt war, hatte er auf Instagram auch schon einen neuen Follower. Mich. Rein aus journalistischem Interesse, versteht sich.

    Szene aus Troye Sivans Musikvideo „FF“: Ein junger Mann mit kurzen Haaren steht mit nacktem Oberkörper in einer weiß gefliesten Dusche. Er trägt eine Halskette und stützt eine Hand an der Wand ab. Die Szene ist in kühles bläuliches Licht getaucht.

    Und sagen wir es so: Die Besetzung ist durchaus gelungen. Dass zwischen den beiden vor der Kamera die Chemie stimmt, lässt sich jedenfalls nur schwer übersehen.

    Troye und Felix küssen sich, liegen eng umschlungen auf dem Sofa, genießen eine gemeinsame Dusche und lassen auch auf einer Treppe keinen Zweifel daran, dass zwischen ihnen eine gewisse körperliche Anziehung besteht.

    Dabei setzt das Video immer wieder auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die den intimen Momenten eine fast schon nostalgische Atmosphäre verleihen. Dazwischen stehen farbige Bilder von Meer, Himmel und Dünen.

    Und natürlich gibt es reichlich Gelegenheit, die beiden Herren ausgiebig zu betrachten. Troye weiß schließlich, wie man sein Publikum bei Laune hält.

    Doch irgendwann fiel mir beim Anschauen etwas auf.

    Moment mal, ich habe Fragen …

    Warum sehen wir die beiden leidenschaftlich auf einer Treppe – und kurz darauf Troye allein an derselben Stelle? Warum blickt Troye zu Felix auf der Dachterrasse hinauf? Warum sehen wir Felix später allein dort stehen – und warum ist die Terrasse am Ende plötzlich leer?

    Drei Szenen aus Troye Sivans Musikvideo FF: Links blickt Troye von unten zu Felix Mayr auf einer Dachterrasse hinauf. In der Mitte steht Felix allein auf der Terrasse. Rechts blickt Troye erneut nach oben, doch die Terrasse ist leer.

    Plötzlich wirken die leidenschaftlichen Szenen wie Erinnerungen. Oder vielleicht wie Vorstellungen von etwas, das es so nie gegeben hat.

    Besonders auffällig ist der Wechsel zwischen körperlicher Nähe und Einsamkeit. Eben noch liegen die beiden eng beieinander, dann sitzt Troye allein am nächtlichen Strand oder läuft durch die Dunkelheit.

    Selbst die gemeinsamen Szenen erzählen nicht immer von ungetrübtem Glück. Nach einem leidenschaftlichen Moment unter der Dusche sitzen die beiden auf dem Bett – mit einer bemerkenswerten Distanz zwischen sich.

    Das Video zeigt Nähe. Und im nächsten Augenblick deren Abwesenheit.

    Von zerbrechenden Gläsern und anderen Höhepunkten

    Natürlich wäre es kein Troye-Sivan-Video, wenn es nicht auch ein wenig mit unserer Fantasie spielen würde.

    Da geraten bei einem leidenschaftlichen Kuss auf der Treppe plötzlich Gläser ins Wanken und gehen zu Bruch. Da verweilt die Kamera auf Lippen, nackter Haut und Händen, deren Bewegungen durchaus Raum für erotische Interpretationen lassen.

    Und dann wäre da noch Felix, der mit geschlossenen Augen und zurückgelegtem Kopf an einer Holzwand lehnt. Man kann darin einfach einen entspannten Moment in der Sonne sehen. Man muss aber nicht.

    Troye zeigt gerade genug, um Gedanken in Bewegung zu setzen. Den Rest erledigt das Publikum ganz allein.

    Ein kleines Detail mit großer Bedeutung

    Zwischen all den Küssen, nackter Haut und leidenschaftlichen Momenten gibt es eine Szene, die mir besonders aufgefallen ist: ein PrEP-Medikament.

    PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe und bezeichnet eine medikamentöse Möglichkeit, sich wirksam vor einer HIV-Infektion zu schützen. Allerdings gilt auch hier: Andere sexuell übertragbare Infektionen können durchaus weiterhin „Hallo!“ sagen.

    Warum ich das erwähne? Weil ich es wichtig finde, dass solche Dinge sichtbar sind. Gerade in einem Musikvideo, das schwule Sexualität so selbstverständlich und unverkrampft zeigt.

    Troye Sivan sitzt in einem holzverkleideten Raum vor einem Spiegel und hält eine blaue Verpackung der HIV-Präventionsplattform MISTR in den Händen. Szene aus dem Musikvideo „FF“.

    Hier wird nicht lange erklärt, nicht moralisiert und schon gar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gewarnt. Das Medikament ist einfach da. Und genau darin liegt für mich die Stärke dieses Moments.

    Sexualität, Lust und Verantwortung müssen keine Gegensätze sein. Und HIV-Prävention gehört genauso zur Realität vieler schwuler Männer wie die Lust, die Troye Sivan in seinen Bildern feiert.

    Dass dieser Aspekt in „FF“ überhaupt sichtbar wird, finde ich bemerkenswert. Und wichtiger als manches noch so schöne Bild von zwei attraktiven Männern!

    Zwei Buchstaben, viele Gedanken

    Auch der Titel lädt zum Nachdenken ein. „FF“ steht für „Fucking Forever“. Allerdings haben diese beiden Buchstaben in der schwulen Sexkultur noch eine andere, deutlich explizitere Bedeutung.

    Zufall?

    Vielleicht. Aber wir reden hier von dem Künstler, der uns bereits mit „Rush“ eine ziemlich unverblümte Feier queerer Lust und Clubkultur präsentiert hat.

    Ich würde jedenfalls nicht darauf wetten, dass Troye Sivan diese Doppeldeutigkeit völlig unbekannt ist.

    Und was bleibt am Ende?

    Keine große Erklärung. Kein eindeutiger Schlussstrich.

    Stattdessen sehen wir Troye, der zu einer inzwischen leeren Dachterrasse hinaufschaut. Danach bleibt nur noch das Meer.

    Vielleicht erzählt „FF“ von einer Begegnung, die längst vorbei ist. Vielleicht von Sehnsucht, Fantasie oder von jemandem, den man sich so sehr wünscht, dass er für ein paar Minuten beinahe Wirklichkeit wird.

    Was mich an dem Video besonders fasziniert: Beim ersten Anschauen sieht man vor allem zwei schöne Männer und jede Menge nackte Haut. Beim zweiten entdeckt man kleine Brüche. Und beim dritten beginnt man, auf die Dinge zu achten, die plötzlich fehlen.

    „FF“ ist sexy. Keine Frage. Aber unter all der nackten Haut steckt auch eine gehörige Portion Melancholie.

    Und das macht das Video für mich am Ende interessanter als jede noch so schöne Duschszene.

    Wobei … die darf natürlich trotzdem bleiben.

  • Wie mein roter Bart in einem Video von Charlie Hides landete

    Wie mein roter Bart in einem Video von Charlie Hides landete

    Manchmal findet man beim Aufräumen alter Festplatten Dinge wieder, bei denen man sofort weiß:

    Ach ja. Da war ja was.

    In meinem Fall war es ein Foto von mir mit schwarzer Mütze, nacktem Oberkörper, einem ziemlich auffällig rot gefärbten Bart und drei großen roten Buchstaben auf der Brust:

    LUV.

    Und natürlich gibt es dazu eine Geschichte.

    Es war 2012

    Madonna hatte gerade mit „Give Me All Your Luvin’“ die erste Single aus ihrem neuen Album MDNA veröffentlicht. Und natürlich dauerte es nicht lange, bis der Song auch in der kleinen Welt der Madonna-Parodien ankam.

    Charlie Hides verfolgte ich damals schon eine ganze Weile auf YouTube. Auf seinem Kanal gab es Parodien auf Madonna, Cher, Lady Gaga und diverse andere Damen aus der Popwelt.

    Als Charlie eine Parodie zu „Give Me All Your Luvin’“ plante, gab es einen Aufruf an die Zuschauer: Wir sollten Bilder zum Thema LUV einschicken.

    Nun könnte man in einer solchen Situation einfach ein Blatt Papier nehmen, „LUV“ darauf schreiben, ein Foto machen und fertig.

    Könnte man.

    Mein damaliger Nachbar Attila war allerdings Fotograf.

    Das eröffnete gewisse Möglichkeiten.

    Wenn schon LUV, dann richtig

    Ich meine, die Idee für das Motiv kam von mir. Ganz sicher bin ich mir nach inzwischen vierzehn Jahren allerdings nicht mehr. Möglicherweise gab es damals für die eingesandten Bilder auch noch irgendwelche Vorgaben von Charlie.

    Was ich dagegen ziemlich genau weiß: Es sollte zum Thema passen.

    Also landete ein großes LUV direkt auf meiner Brust. Mit roter, wasserbasierter Farbe.

    Und weil dieselbe Farbe nun ohnehin schon da war und ich einen Bart hatte, bekam der ebenfalls eine Behandlung.

    Rot. Sehr rot.

    Schwarze Mütze dazu, Oberkörper frei, vor die Kamera – und Attila machte daraus ein erstaunlich professionelles Studioporträt.

    Das fertige Bild schickte ich ein.

    Und dann passierte erst einmal:

    Nichts.

    Und plötzlich war ich da

    Ob Charlie mein Foto überhaupt verwenden würde, wusste ich nicht. Eine Nachricht nach dem Motto „Herzlichen Glückwunsch, dein roter Bart hat es geschafft!“ bekam ich jedenfalls nicht.

    Irgendwann erschien die Parodie.

    Also Video an.

    Schauen.

    Und dann:

    Moment mal.

    Da war ich.

    Mit rotem Bart.
    Mit nackter Brust.
    Mit LUV.

    Und nicht einmal irgendwo für einen Sekundenbruchteil so klein im Hintergrund, dass man hinterher darüber diskutieren müsste, ob ich das wirklich gewesen bin.

    Mein Foto war ziemlich unübersehbar neben Charlie im Video zu sehen.

    Damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet.

    Und da war ich plötzlich: mein LUV-Foto in Charlie Hides’ Madonna-Parodie von 2012.

    Vierzehn Jahre später

    Und jetzt, vierzehn Jahre später, tauchte dieses Foto wieder auf.

    Eigentlich war ich gerade damit beschäftigt, Dateien von einer alten Festplatte zu retten und einigermaßen sinnvoll zu sortieren. Zwischen alten Projekten, Fotos und Dingen, von denen ich längst vergessen hatte, dass ich sie überhaupt noch besitze, lag plötzlich wieder dieses Bild.

    Schwarze Mütze. Roter Bart. LUV.

    Und sofort war die Geschichte wieder da.

    Solche Fundstücke sind vermutlich einer der Gründe, warum es MISTERWORLD überhaupt gibt. Nicht alles, was einem irgendwann einmal passiert ist, ist weltbewegend. Aber manches ist einfach viel zu schön, zu schräg oder zu persönlich, um für immer auf irgendeiner Festplatte zu verschwinden.

    Und manchmal landet man eben unverhofft in einer Madonna-Parodie.

    Auch das kann passieren.