Kategorie: Filme & Serien

Großes Kino, kleine Serienentdeckungen und Geschichten, die auch nach dem Abspann im Kopf bleiben. Hier geht es um das, was mich vor dem Bildschirm begeistert, überrascht oder gelegentlich ratlos zurücklässt.

  • American Horror Story 13 – Die Rückkehr der Hexen, Freaks und alten Bekannten

    American Horror Story 13 – Die Rückkehr der Hexen, Freaks und alten Bekannten

    13 Staffeln, unzählige Albträume und ein Wiedersehen mit einigen der legendärsten Figuren der Serie. American Horror Story kehrt zurück und ausgerechnet die Unglückszahl 13 könnte für Fans der ersten Stunde zum echten Glücksfall werden.

    Die 13 hat es in sich

    Seit 2011 beschert uns American Horror Story regelmäßig schlaflose Nächte, verstörende Geschichten und Charaktere, die man so schnell nicht wieder vergisst. Mal verschlug es uns in ein verfluchtes Haus, mal in eine psychiatrische Anstalt, dann wieder zu Hexen, Freaks, Vampiren oder gleich mitten in die Apokalypse. Dabei war die Serie für mich immer ein bisschen wie eine Wundertüte, denn man wusste nie so genau, was Ryan Murphy und Brad Falchuk als Nächstes auspacken würden. Und während manche Staffeln mich von der ersten bis zur letzten Folge begeistern konnten, gab es durchaus auch Geschichten, bei denen ich mich gefragt habe, was sich die beiden eigentlich dabei gedacht haben.

    Doch jetzt steht ausgerechnet Staffel 13 vor der Tür und die verspricht ein Wiedersehen mit zahlreichen alten Bekannten. Ob die vermeintliche Unglückszahl der Serie am Ende tatsächlich Glück bringt, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls schon einmal ziemlich vielversprechend.

    Jessica, Evan und Sarah – das AHS-Traumtrio

    Für mich gibt es vor allem drei Namen, die untrennbar mit American Horror Story verbunden sind: Jessica Lange, Evan Peters und Sarah Paulson. Jessica Lange mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus Eleganz, Boshaftigkeit und Tragik, Evan Peters, der selbst den verstörendsten Figuren eine unglaubliche Intensität verleiht, und Sarah Paulson, die es immer wieder schafft, zwischen blanker Verzweiflung, Verletzlichkeit und beeindruckender Stärke zu wechseln. Diese drei haben die Serie für mich über viele Jahre entscheidend geprägt und dass sie in Staffel 13 endlich wieder gemeinsam dabei sind, ist für mich schon Grund genug, einzuschalten.

    Und damit nicht genug, denn auch Angela Bassett, Kathy Bates, Emma Roberts, Billie Lourd, Gabourey Sidibe und Leslie Grossman gehören zur Besetzung. Dazu gesellen sich zahlreiche weitere bekannte und neue Gesichter, sodass es fast den Anschein hat, als hätte Ryan Murphy für die 13. Runde noch einmal sämtliche Schubladen seiner AHS-Schatzkiste geöffnet. Ob er dabei auch die eine oder andere Überraschung hervorgezaubert hat, bleibt abzuwarten.

    Hexen, Wahnsinn, Freaks und ein bisschen Achtziger-Trash

    Wenn ich auf die bisherigen Staffeln zurückblicke, steht für mich Coven ganz oben. Die Hexen von New Orleans, ihre Intrigen, Machtkämpfe und herrlich exzentrischen Charaktere haben mich besonders begeistert, wobei Jessica Lange als Fiona Goode natürlich ein absolutes Highlight war. Dicht dahinter folgt Asylum, eine der wohl beklemmendsten Geschichten der gesamten Reihe, und auf Platz drei landet bei mir Freak Show, nicht zuletzt wegen ihrer außergewöhnlichen Figuren und der großartigen Besetzung.

    Natürlich gab es auch andere Staffeln, die auf ihre ganz eigene Weise ihren Reiz hatten. 1984 beispielsweise war eine herrlich überdrehte Hommage an die Slasher- und Trash-Horrorfilme der Achtziger, mit allem, was dazugehört: Sommercamp, Serienkiller, reichlich Kunstblut, jede Menge Nostalgie und natürlich Gus Kenworthy in seinen verdammt knappen Sporthöschen. Man muss schließlich auch die kleinen Details einer Serie zu würdigen wissen, und wer mich kennt, weiß, dass mir solche Details selbstverständlich nicht entgehen.

    Allerdings konnte mich nicht jede Staffel gleichermaßen überzeugen. Besonders NYC und Delicate gehören für mich zu den schwächeren Kapiteln der Reihe, während mich bei Hotel vor allem der enorme Hype um Lady Gaga als Countess gestört hat. Nicht, dass die Staffel grundsätzlich schlecht gewesen wäre, aber ihre Darstellung wurde für meinen Geschmack doch etwas zu sehr gefeiert. Wäre das allerdings Madonna gewesen, hätte ich vermutlich ganz anders darüber gedacht. Immerhin hat die Queen of Pop bereits 1995 in Four Rooms eine Hexe in einem Hotel gespielt, und das auch noch stilecht im hautengen Latexkleid! Gut, bei American Horror Story: Hotel ging es eher um Vampire, aber vom Hexenzirkel zur blutdürstigen Countess wäre es ja nur ein kleiner Karriereschritt gewesen. Das passende Outfit hätte Madonna jedenfalls schon gehabt, und ich bin schließlich auch nicht vollkommen objektiv.

    Sieben Hexen aus American Horror Story 13 in schwarzen Outfits auf einer Straße: Madison Montgomery, Myrtle Snow, Queenie, Cordelia Goode, Coco St. Pierre Vanderbilt, Ophelia und Morwenna.

    Trotz solcher gelegentlichen Enttäuschungen hat es American Horror Story über all die Jahre immer wieder geschafft, mich neugierig auf die nächste Geschichte zu machen. Vielleicht liegt genau darin eines der Erfolgsgeheimnisse der Serie, denn selbst wenn eine Staffel nicht meinen Geschmack getroffen hat, konnte die nächste schon wieder eine völlig andere Richtung einschlagen und mich aufs Neue begeistern.

    Und dann wären da natürlich noch die zahlreichen ausgesprochen ansehnlichen Männer, die Ryan Murphy im Laufe der Jahre durch seine Horrorgeschichten geschickt hat. Neben Evan Peters wären da beispielsweise Matt Bomer, Finn Wittrock, Cheyenne Jackson, Cody Fern oder Wes Bentley zu nennen. Dass der eine oder andere davon gelegentlich recht wenig Kleidung trug, war der Aufmerksamkeit meinerseits sicherlich nicht abträglich. Man kann schließlich eine anspruchsvolle Horrorserie genießen und gleichzeitig ein Auge für die optischen Qualitäten ihrer Darsteller haben. Das eine schließt das andere ja nun wirklich nicht aus!

    Ein Wiedersehen mit alten Albträumen

    Für die 13. Staffel haben sich die Macher offenbar etwas Besonderes einfallen lassen, denn statt ausschließlich neue Figuren und Geschichten zu präsentieren, kehren zahlreiche Charaktere aus vergangenen Staffeln zurück. Darunter Constance Langdon aus Murder House, Cordelia Goode und Madison Montgomery aus Coven, Marie Laveau, Rubber Man, Twisty the Clown und Kai Anderson. Gerade als großer Coven-Fan freue ich mich natürlich besonders auf die Rückkehr der Hexen, denn die bissigen Dialoge, die Machtkämpfe und die herrlich überzeichneten Persönlichkeiten gehörten für mich zu den größten Stärken der gesamten Serie.

    Evan Peters als Tate Langdon in einem hautengen schwarzen Latexanzug in American Horror Story 13.

    Wie die verschiedenen Figuren und Geschichten diesmal miteinander verbunden werden, bleibt vorerst eines der großen Geheimnisse. Ein solches Wiedersehen birgt natürlich auch gewisse Risiken, schließlich reicht es nicht, möglichst viele beliebte Charaktere wieder auf den Bildschirm zu bringen, wenn am Ende keine überzeugende Geschichte dabei herauskommt. Andererseits hat American Horror Story bereits mit Apocalypse gezeigt, dass sich unterschiedliche Staffeln durchaus miteinander verknüpfen lassen. Warum also nicht noch einmal, diesmal vielleicht sogar eine Nummer größer?

    13 Folgen für die 13. Staffel

    Auch beim Format gibt es eine Besonderheit, denn American Horror Story: 13 besteht aus insgesamt 13 Episoden mit jeweils rund 30 Minuten Laufzeit. Damit fallen die einzelnen Folgen deutlich kürzer aus als in vielen früheren Staffeln, was durchaus interessant werden könnte. Vielleicht sorgt die kompaktere Erzählweise ja für ein strafferes Tempo und erspart uns die eine oder andere unnötig in die Länge gezogene Nebenhandlung. Andererseits muss sich natürlich erst noch zeigen, ob eine halbe Stunde ausreicht, um den zahlreichen Figuren und ihren Geschichten gerecht zu werden.

    Ab dem 7. November 2026 erscheint die neue Staffel in Deutschland auf Disney+, wobei die Episoden im wöchentlichen Rhythmus veröffentlicht werden. Wer vorher noch einmal in Erinnerungen schwelgen oder die eine oder andere Staffel nachholen möchte, findet dort auch sämtliche bisherigen Folgen der Serie. Gerade bei den zahlreichen zurückkehrenden Charakteren könnte sich ein kleiner Auffrischungskurs durchaus lohnen.

    Zurück zu den Wurzeln?

    Mit Staffel 13 scheint American Horror Story vor allem eines zu wollen: die eigene Vergangenheit feiern und dabei möglichst viele Fans der ersten Stunde wieder vor den Bildschirm locken. Die Rückkehr von Jessica Lange, Evan Peters und Sarah Paulson, das Wiedersehen mit den Hexen aus Coven und zahlreiche weitere vertraute Figuren lassen jedenfalls auf eine gehörige Portion Nostalgie schließen. Ob daraus tatsächlich eine der stärkeren Staffeln der Reihe wird oder am Ende doch nur ein großes Klassentreffen des Grauens, bleibt natürlich abzuwarten.

    Ich persönlich hoffe vor allem auf das, was American Horror Story in seinen besten Momenten ausgezeichnet hat: außergewöhnliche Figuren, eine beklemmende Atmosphäre, bösen Humor und Geschichten, die auch nach dem Abspann noch im Kopf herumspuken. Und wenn dann noch Jessica Lange mit einem ihrer herrlich vernichtenden Blicke um die Ecke kommt, Sarah Paulson wieder zwischen Wahnsinn und Verzweiflung balanciert und Evan Peters für den nächsten Albtraum sorgt, bin ich eigentlich schon ziemlich zufrieden.

    Ob die 13 am Ende eine Glücks- oder Unglückszahl für die Serie wird, erfahren wir in den kommenden Wochen. Ich werde jedenfalls wieder einschalten, denn trotz aller Höhen und Tiefen hat mich American Horror Story über die Jahre nie ganz losgelassen.

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    In diesem Sinne: Licht aus, Vorhänge zu und willkommen zurück im amerikanischen Albtraum!

  • Patrick Stewart (1940–2026) – Mehr als nur Captain Picard

    Patrick Stewart (1940–2026) – Mehr als nur Captain Picard

    Sir Patrick Stewart ist tot. Der britische Schauspieler starb am 28. Oktober 2026 im Alter von 86 Jahren. Für Millionen Menschen wird er wohl auf ewig Captain Jean-Luc Picard bleiben, jener kultivierte und gelegentlich etwas steife Kommandant der Enterprise, der lieber erst einmal nachdachte, bevor er seine Phaser sprechen ließ. Andere kennen ihn als Professor Charles Xavier aus den X-Men-Filmen oder als großen Shakespeare-Darsteller. Und ich? Nun, ich denke bei Patrick Stewart tatsächlich auch an einen ziemlich extravaganten schwulen Mann namens Sterling.

    Natürlich gehört Captain Picard auch für mich zu den großen Fernsehfiguren. Als Stewart 1987 mit Star Trek: The Next Generation das Kommando über die Enterprise übernahm, waren die Fußstapfen von William Shatners Captain Kirk schließlich gewaltig. Doch statt den draufgängerischen Weltraumhelden zu kopieren, schuf Stewart einen völlig anderen Captain. Picard war gebildet, diplomatisch, manchmal streng und nicht unbedingt der Typ, mit dem man spontan die nächste Kneipentour unternehmen würde. Dafür besaß er etwas, das in der Science-Fiction ebenso wie im wirklichen Leben gelegentlich Mangelware ist: die Fähigkeit zuzuhören, nachzudenken und Konflikte möglichst ohne Gewalt zu lösen. Und ganz nebenbei konnte dieser Mann mit einem einzigen hochgezogenen Augenbrauenbogen mehr ausdrücken als andere mit einem fünfminütigen Monolog.

    Ein Captain auf Abwegen – und zwar ziemlich fabelhaften

    1995 zeigte Patrick Stewart dann eine Seite, die mit dem würdevollen Sternenflotten-Captain zunächst herzlich wenig gemeinsam hatte. In der schwulen Filmkomödie Jeffrey, basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Paul Rudnick, spielte er Sterling, einen extravaganten, lebenslustigen und wunderbar theatralischen schwulen Mann. Und was soll ich sagen? Ich fand ihn damals einfach fabelhaft!

    Patrick Stewart als Sterling im Film Jeffrey, mit pinkfarbener Baskenmütze und passendem Oberteil.

    Jeffrey erzählt die Geschichte eines jungen schwulen Mannes, der angesichts der AIDS-Krise beschließt, künftig lieber auf Sex zu verzichten. Dummerweise verliebt er sich ausgerechnet dann in einen Mann, der sein sorgfältig gefasstes Vorhaben gehörig durcheinanderbringt. Was nach einem schweren Drama klingt, ist tatsächlich eine herrlich schräge Mischung aus romantischer Komödie, ernsten Zwischentönen und einer ordentlichen Portion Camp. Gerade diese Mischung machte den Film für mich so besonders.

    Man muss sich dabei auch die Entstehungszeit vor Augen führen. Mitte der 1990er-Jahre war HIV/AIDS für schwule Männer noch immer eine allgegenwärtige Realität, die nicht nur das Sexualleben, sondern auch Beziehungen, Freundschaften und die gesamte Community prägte. Jeffrey nahm diese Ängste ernst, erlaubte sich aber gleichzeitig, laut, bunt, komisch und lebensbejahend zu sein. Patrick Stewarts Sterling passte wunderbar in diese Welt. Er war keine verschämte Nebenfigur, sondern ein Mann, der mit seiner Persönlichkeit und seiner Lebensfreude den Raum ausfüllte. Und dass ausgerechnet Captain Picard in dieser Rolle auftrat, machte die Sache natürlich noch ein bisschen köstlicher.

    Für mich gehört Jeffrey deshalb ganz selbstverständlich zur Erinnerung an Patrick Stewart. Nicht, weil eine schwule Rolle automatisch einen Schauspieler zu einer queeren Ikone macht, sondern weil er sich auf diesen Film und seine besondere Tonlage mit einer Spielfreude eingelassen hat, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

    Zwei Ritter, eine wunderbare Freundschaft

    Und dann wäre da natürlich noch Sir Ian McKellen. Die Freundschaft zwischen den beiden britischen Schauspielern war über viele Jahre hinweg mindestens so unterhaltsam wie ihre gemeinsamen Auftritte vor der Kamera. In den X-Men-Filmen standen sie sich als Professor Xavier und Magneto gegenüber, doch im wirklichen Leben verband sie eine enge Freundschaft, die sie auch öffentlich mit viel Humor und Zuneigung zelebrierten.

    Ian McKellen mit schwarzem Hut und Patrick Stewart mit Brille küssen sich bei einer öffentlichen Veranstaltung auf den Mund.

    Ian McKellen, der seit 1988 offen schwul lebt und sich seit Jahrzehnten für die Rechte queerer Menschen einsetzt, war dabei weit mehr als nur ein berühmter Kollege. Die beiden standen gemeinsam auf Theaterbühnen, scherzten miteinander und machten aus ihrer gegenseitigen Zuneigung nie ein Geheimnis. Als Patrick Stewart 2013 die Sängerin Sunny Ozell heiratete, übernahm ausgerechnet McKellen die Trauungszeremonie. Ich finde, allein diese kleine Geschichte sagt schon eine ganze Menge über die besondere Verbindung der beiden aus.

    Gerade in einer Welt, in der Männerfreundschaften noch immer viel zu häufig mit demonstrativer Distanz und möglichst wenig Gefühl auskommen sollen, fand ich diese beiden immer wunderbar erfrischend. Zwei gestandene, international gefeierte Schauspieler, die sich herzlich umarmen, miteinander herumalbern und überhaupt keinen Grund sehen, ihre Freundschaft hinter irgendeiner Fassade zu verstecken. Auch das ist für mich ein schönes Stück gelebter Selbstverständlichkeit.

    Mehr als eine Uniform

    Natürlich lässt sich eine Karriere wie die von Patrick Stewart nicht auf Captain Picard, Professor Xavier und einen schwulen Sterling reduzieren. Seine Wurzeln lagen auf der Theaterbühne, insbesondere bei Shakespeare, und seine Filmografie umfasst weit mehr als die großen Hollywoodproduktionen, mit denen ihn heute vermutlich die meisten verbinden. Gerade diese Vielseitigkeit machte ihn zu einem Schauspieler, der zwischen Würde und Albernheit, großer Tragödie und herrlicher Komik wechseln konnte, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken.

    Mit seinem Tod verliert die Film- und Fernsehwelt einen außergewöhnlichen Darsteller. Die Enterprise verliert ihren Captain, die Mutanten ihren Professor und die Theaterwelt einen ihrer großen britischen Schauspieler. Und die queere Filmgeschichte? Die behält einen wunderbar extravaganten Sterling, der mir auch mehr als dreißig Jahre nach Jeffrey noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

    Patrick Stewart als Captain Jean-Luc Picard in rot-schwarzer Sternenflottenuniform auf der Brücke der Enterprise.

    Farewell, Sir Patrick. Danke für die Reisen zu den Sternen – und für die fabelhaften Momente hier auf der Erde.

  • Forty Love – Challengers trifft Heated Rivalry?

    Forty Love – Challengers trifft Heated Rivalry?

    First Look: Zwei Tennisspieler, sportliche Rivalität, jede Menge Spannung – und ein Kuss, der bei mir Fragen aufwirft.

    Tennis scheint sich inzwischen zu einer ziemlich beliebten Kulisse für Geschichten über Rivalität, Leidenschaft und komplizierte zwischenmenschliche Beziehungen entwickelt zu haben. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man sich den ersten Trailer zu Forty Love anschaut. Der französische Film von Regisseur Pierre-Ange Carlotti, in dem Paul Kircher und Romeo Beckham die Hauptrollen übernehmen, soll Ende November 2026 in Frankreich in die Kinos kommen. Ein deutscher Starttermin steht bislang noch nicht fest.

    Und während sich vermutlich ein Teil des Publikums vor allem dafür interessiert, dass Romeo Beckham, Sohn von David und Victoria Beckham, hier sein Schauspieldebüt gibt, hatte ich beim Anschauen des Trailers zunächst ganz andere Gedanken.

    Irgendwo zwischen Challengers und Heated Rivalry

    Mein erster Gedanke war nämlich: Moment mal, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor! Genauer gesagt fühlte ich mich an eine Mischung aus Challengers und Heated Rivalry erinnert. Allerdings aus durchaus unterschiedlichen Gründen.

    Vom filmischen Stil und der Atmosphäre her sehe ich deutliche Parallelen zu Heated Rivalry. Da sind diese intensiven Blicke, die körperliche Nähe, die sportliche Konkurrenz und eine Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren, die offensichtlich nicht allein auf dem Tennisplatz ausgetragen wird. Die Inszenierung vermittelt zumindest den Eindruck, dass hier zwei Männer aufeinandertreffen, die sich gegenseitig herausfordern – und zwar nicht nur sportlich.

    Was die Geschichte angeht, musste ich dagegen eher an Challengers denken. Auch dort dreht sich vieles um Tennis, Ehrgeiz, Konkurrenz und Gefühle, die sich nicht unbedingt an die Regeln des Sports halten. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Während Challengers durchaus mit homoerotischer Spannung spielte, ohne daraus eine eigentliche schwule Liebesgeschichte zu machen, scheint Forty Love genau eine solche erzählen zu wollen.

    Ob daraus tatsächlich etwas Eigenständiges entsteht oder lediglich bekannte Zutaten neu miteinander kombiniert werden, lässt sich nach einem ersten Trailer natürlich noch nicht beurteilen. Aber neugierig macht mich diese Mischung durchaus.

    Zwei Rivalen – und offenbar mehr

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht der junge Tennisspieler Sacha Gallo, der von seinem Vater auf eine erfolgreiche Karriere vorbereitet wurde. Als ein neuer Konkurrent auftaucht, gerät allerdings nicht nur seine sportliche Zukunft durcheinander. Zwischen den beiden entwickelt sich offenbar eine Beziehung, bei der die Grenzen zwischen Rivalität und gegenseitiger Anziehung zunehmend verschwimmen.

    Was mir beim Trailer durchaus positiv aufgefallen ist, ist die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Paul Kircher und Romeo Beckham vermitteln eine Spannung, die für mich funktioniert. Man nimmt ihnen ab, dass da mehr im Spiel ist als die Frage, wer am Ende das entscheidende Match gewinnt. Zumal der Trailer durchaus Szenen zeigt, in denen die beiden offenbar gemeinsam in einem Bett liegen. Dass zwischen ihnen etwas läuft, scheint also keineswegs nur eine Frage interpretierbarer Blicke zu sein.

    Allerdings deutet sich ebenso an, dass diese Beziehung alles andere als unkompliziert werden könnte. Besonders ein Satz ist mir dabei aufgefallen: „It’s not my fault you’re fucking in love with me.“ – „Ich kann doch nichts dafür, dass du in mich verliebt bist.“

    Das klingt zunächst vielleicht wie eine ziemlich selbstbewusste Feststellung. Im Trailer wird es allerdings mit einer solchen Arroganz vorgetragen, dass von romantischer Zärtlichkeit wenig übrig bleibt. Eher entsteht der Eindruck, dass hier jemand sehr genau weiß, welche Wirkung er auf den anderen hat, und möglicherweise sogar Gefallen daran findet, mit dessen Gefühlen zu spielen.

    Ob die beiden tatsächlich unterschiedlich viel füreinander empfinden oder ob hinter dieser Überheblichkeit etwas ganz anderes steckt, wird der Film zeigen müssen. Jedenfalls lassen weitere Szenen auf größere Konflikte und möglicherweise sogar eine dramatische Wendung schließen.

    Und plötzlich bekommt auch der Filmtitel eine interessante zusätzliche Bedeutung. Denn beim Tennis steht „Love“ bekanntlich für null. Sollte einer der beiden am Ende mit gebrochenem Herzen dastehen, wäre das in Liebesdingen eine ziemlich ernüchternde Punktzahl.

    Ein Kuss, ein Bett und die Frage nach dem Queerbaiting

    Trotz der ziemlich deutlichen Hinweise auf eine intime Beziehung hat mich ausgerechnet eine andere Szene stutzen lassen. Bei der einzigen Kussszene im Trailer war ich mir nämlich nicht sicher, ob Romeo Beckham da tatsächlich seinen männlichen Gegenpart küsst – oder vielleicht doch eine Frau.

    Durch die Frisur und den gewählten Bildausschnitt wirkt die andere Person auf mich zumindest auf den ersten Blick eher weiblich. Natürlich kann dieser Eindruck täuschen. Aber gerade im Zusammenhang mit den anderen Szenen fand ich diese merkwürdige Uneindeutigkeit bemerkenswert.

    Denn einerseits zeigt uns der Trailer zwei Männer, die offenbar miteinander im Bett liegen, und lässt einen von ihnen ziemlich unverblümt über die Verliebtheit des anderen sprechen. Andererseits bleibt ausgerechnet der gezeigte Kuss für mich nicht eindeutig zuzuordnen. Ein interessanter Gegensatz, der mich beim Anschauen durchaus beschäftigt hat.

    Nahaufnahme einer Kussszene aus dem Trailer zu „Forty Love“ (2026). Romeo Beckham küsst eine Person mit kinnlangen Haaren.
    Wer küsst hier eigentlich wen? Die Kussszene aus dem Trailer zu „Forty Love“ gibt Rätsel auf. // Screenshot: STUDIOCANAL / YouTube

    Und damit sind wir bei einem Begriff, der mir in den ersten Reaktionen auf den Trailer bereits mehrfach begegnet ist: Queerbaiting.

    Gemeint ist damit vereinfacht gesagt eine Strategie, bei der mit queeren Andeutungen Aufmerksamkeit erzeugt wird, ohne dass die damit geweckten Erwartungen in der eigentlichen Geschichte wirklich eingelöst werden. Ob dieser Vorwurf bei Forty Love berechtigt sein könnte, lässt sich nach einem einzigen Trailer selbstverständlich nicht beurteilen. Zumal die bereits erwähnten Szenen durchaus darauf hindeuten, dass die Beziehung der beiden Männer eine zentrale Rolle spielt.

    Interessant finde ich allerdings, dass diese Diskussion überhaupt schon aufkommt. Offenbar fragen sich auch andere Zuschauer, wie offen und konsequent der Film seine queere Liebesgeschichte tatsächlich erzählen wird.

    Andererseits frage ich mich auch, ob wir inzwischen wirklich erwarten, dass uns ein Trailer bereits sämtliche romantischen und sexuellen Verwicklungen auf dem Silbertablett serviert. Muss man wirklich schon vor dem Kinobesuch wissen, wer mit wem im Bett landet, wer wen küsst und wer am Ende mit gebrochenem Herzen zurückbleibt?

    Ein bisschen Geheimnis darf doch wohl noch sein. Und vielleicht ist gerade die Frage, wie sich diese Beziehung entwickelt, einer der Gründe, sich den Film überhaupt anzuschauen.

    Von Hollywood-Nachwuchs bis zur französischen Filmlegende

    Dass Romeo Beckham mit Forty Love sein Schauspieldebüt gibt, dürfte dem Film zusätzliche Aufmerksamkeit bescheren. Schließlich gehört der Name Beckham zu denjenigen, bei denen man vermutlich nicht lange erklären muss, aus welcher Familie jemand stammt. Mich persönlich interessiert allerdings weniger, wessen Sohn er ist, sondern ob er als Schauspieler überzeugen kann. Und zumindest der erste Trailer lässt erkennen, dass er gemeinsam mit Paul Kircher eine durchaus interessante Dynamik entwickelt.

    Wobei wir bei Paul Kircher wären. Der junge französische Schauspieler hat durchaus etwas an sich, das mich aufhorchen beziehungsweise genauer hinschauen lässt. Zugegeben, er ist nicht unbedingt meine Altersklasse, aber das hat mich schließlich noch nie daran gehindert, einen hübschen Mann zu würdigen. Man muss ja nicht gleich die Heiratsurkunde ausfüllen.

    Interessant ist allerdings auch, wer sich neben den beiden jungen Hauptdarstellern noch vor der Kamera versammelt hat. Guillaume Canet spielt Sachas Vater und Trainer. Wer jetzt überlegt, woher er das Gesicht kennt: Canet war bereits im Jahr 2000 an der Seite von Leonardo DiCaprio in The Beach zu sehen. Seitdem hat er sich längst als Schauspieler und Regisseur etabliert und war unter anderem in Zusammen ist man weniger allein sowie als Asterix in Asterix & Obelix im Reich der Mitte zu sehen.

    Und dann wäre da noch Catherine Deneuve. Ja, tatsächlich: Die Grande Dame des französischen Kinos gibt sich ebenfalls die Ehre. Welche Bedeutung ihr Auftritt für die Geschichte hat, lässt der Trailer noch offen. Allein ihre Beteiligung macht die Besetzung aber schon ein gutes Stück interessanter. Schließlich reden wir hier nicht von irgendeinem Gaststar, sondern von einer Schauspielerin, die seit Jahrzehnten französische Filmgeschichte mitprägt.

    Auch Benjamin Voisin gehört zum Ensemble. Insgesamt ist das also durchaus eine bemerkenswerte Besetzung für einen Film, bei dem sich die öffentliche Aufmerksamkeit zunächst vermutlich vor allem auf den Namen Beckham konzentrieren wird.

    Ein berühmter Nachname allein macht schließlich noch keinen guten Schauspieler. Aber er schließt einen solchen natürlich auch nicht aus. Und mit dieser Mischung aus Nachwuchstalenten und etablierten französischen Darstellern könnte Forty Love durchaus mehr zu bieten haben, als man nach einem flüchtigen Blick auf die Schlagzeilen vermuten würde.

    Und jetzt seid ihr dran: Hier ist der offizielle Trailer zu Forty Love. Schaut selbst, ob ihr meine Eindrücke teilt – und vor allem, was ihr von dieser Kussszene haltet.

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    Mein erster Eindruck – Spiel, Satz und andere Schweinereien

    Hat mich der Trailer begeistert? Nicht unbedingt. Neugierig gemacht hat er mich aber auf jeden Fall. Die Grundidee ist sicherlich nicht neu, und die Vergleiche mit Challengers und Heated Rivalry drängen sich für mich geradezu auf. Trotzdem gefällt mir die Inszenierung, die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt, und die angedeuteten Konflikte lassen vermuten, dass die Geschichte durchaus noch die eine oder andere Überraschung bereithalten könnte.

    Vor allem interessiert mich inzwischen, ob hinter der offensichtlich ziemlich arroganten Fassade von Beckhams Figur mehr steckt als ein gut aussehender Tennisspieler, der sich seiner Wirkung auf andere nur allzu bewusst ist. Denn die entscheidende Frage scheint mir weniger zu sein, ob die beiden körperlich zueinanderfinden, sondern was passiert, wenn aus sportlicher Konkurrenz und gegenseitiger Anziehung tatsächlich Gefühle werden. Und ob beide damit umgehen können.

    Ob Forty Love am Ende eine eigenständige queere Liebesgeschichte erzählt oder lediglich auf einer gerade ziemlich angesagten Welle mitschwimmt, bleibt abzuwarten. Eines hat der Trailer jedenfalls geschafft: Ich möchte wissen, wie es zwischen diesen beiden Tennisspielern weitergeht.

    Und mal ganz unter uns: Beim Tennis geht es bekanntlich um harte Aufschläge, schnelle Bälle und eine ausgefeilte Technik. Wenn dann noch zwei attraktive Kerle auf dem Platz stehen, deren Blicke gelegentlich länger aneinander hängen bleiben als der Ball im Netz, darf man durchaus auf ein bisschen mehr als nur sportliche Höchstleistungen hoffen.

    Ob die beiden am Ende wirklich miteinander spielen oder uns nur ihre Bälle zeigen, bleibt abzuwarten.

    Und falls das jetzt jemand zweideutig verstanden hat: Herzlichen Glückwunsch. Genau so war es gemeint.


    Forty Love soll am 25. November 2026 in Frankreich in die Kinos kommen. Ein deutscher Kinostart ist bislang nicht bekannt.